Der Goldrausch von Kalifornien

Vor 1848 gehörte Kalifornien zu Mexico. Von der östlichen, zivilisierten Welt aus war es beinahe unerreichbar, isoliert durch 1'800 Meilen Wüste und Gebirge. Der Seeweg, um Kap Horn, betrug 18'000 Meilen.

In den Küstenregionen siedelten sich Spanier und Mexikaner an, die das Land von der mexikanischen Regierung erhalten hatten. Das Landesinnere war Reich der Indianer. Nur wenige Siedler lebten dort. Unter ihnen war John Sutter, ein Schweizer, der in seiner Heimat mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Er hatte von den Mexikanern ein grosses Stück Land im Sacramento Valley bekommen und begann, eine Festung zu bauen. Sein Fort war Raststätte, Zufluchtsort und Stützpunkt für viele Ausländer und Amerikaner, die nach Kalifornien vorgedrungen waren, um hier zu siedeln. Sutter war an vielen Projekten beteiligt, unter anderem Fallenstellen und Pelzhandel, dem Bau eines Bewässerungssystems und einer Ranch.
In kurzer Zeit wuchs seine kleine Kommune und es wurde viel Holz benötigt, was Sutter bewog, eine Sägemühle zu bauen. Als Standort wählte er eine Stelle am American River, in der Nähe des Städtchens Coloma.

Am Morgen des 24. Januars 1848 kletterte Sutter's Schreiner James Marshall zum Fluss hinab, um ein Problem mit der Mechanik der Mühle zu beheben, als er ein schimmerndes Objekt im Wasser entdeckte. Als er es in Händen hielt wurde ihm klar, das er ein Goldnugget gefunden hatte.

Marshall berichtete Sutter und sie beschlossen, den Fund möglichst lange geheimzuhalten. Sie kauften nach und nach immer mehr Land, um kein Aufsehen zu erregen. Aber sie fanden keine grösseren Mengen Gold. Mit der Zeit sickerte die Nachricht vom Fund immer mehr durch. Ein Ladenbesitzer aus Coloma kam auf die Idee, sein Geschäft mit Goldgräberutensilien etwas anzukurbeln. Er füllte eine Flasche mit einigen Goldnuggets und reiste nach San Francisco. Dort ritt er die Montgomery-Strasse rauf und runter, schwenkte die Flasche und rief: "Gold, Gold vom American River!".
Das Gold-Fieber brach aus. Alles machte sich auf die Suche nach dem Edelmetall. Sutter's Land wurde überrannt und zerstört, er selbst wurde von seinen Leuten verlassen. Er hatte viel Geld in sein Land und seine Mühle gesteckt und nun hatte er niemanden mehr, der für ihn arbeitete.

Bis zum Winter wurde in Kalifornien Gold im Wert von einer viertel Million Dollar gewonnen. Nach 4 Jahren betrug die Bevölkerung 300'000 und über 260 Millionen Dollar in Gold waren abgebaut. 1850 wurde Kalifornien aufgrund seines Reichtums in die Union der amerikanischen Staaten aufgenommen.
In diesem Jahr wurde in der Stadt Columbia Gold gefunden. Man konnte dort einen Spaten in die Erde treiben und hatte mit einem Streich 30 Pfund Goldnuggets gefunden. Eine Geschichte erzählt, wie ein Goldsucher am Abend sein Zelt aufstellte. Als er morgens die Heringe aus dem Boden zog, kamen mehrere Goldnuggets zum Vorschein. Ein anderer füllte seinen Topf mit Wasser, um einen Fisch zu kochen. Beim Abwaschen entdeckte er Goldnuggets, die im Wasser gelegen hatten.

Doch schon um 1860 waren die einfach zugänglichen Goldreserven abgebaut. Viele Städte wurden verlassen. Columbia's Einwohnerzahl beispielsweise sank von 20'000 auf 500 Personen. Aus blühenden Siedlungen wurden Geisterstädte, manchmal über Nacht. Auf den Goldrausch folgte ein Silberrausch und auch andere Edelmetalle wurden in grossen Mengen gefunden und abgebaut.

Am 10. August 1885, 37 Jahre nach seiner verhängnisvollen Entdeckung, wurde James Marshall's Leiche in einem kleinen Raum des Union Hotels in Kelsey gefunden. Seit damals hatte er nie wieder Gold gefunden und lebte von den bescheidenen Einkünften, die er mit dem Verkauf seiner Autobiographie machte.

Hoch auf einem Gipfel in der Nähe von Coloma, mit Sicht auf den American River, steht heute ein Denkmal. Eine Bronzestatue von James Marshall zeigt auf die Stelle, wo er 1848 das Gold gefunden hatte. Am Fusse der Statue liegt James Marshall's Grab.



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